Ciao Hauptschule!

Ich habe es im ersten Moment nicht glauben können: Es kommt endlich ein kleiner Stein ins Rollen, hier im Südwesten! Baden-Württemberg bzw. das Kultusministerium macht einen ersten kleinen Schritt dahin, sich von der Hauptschule zu verabschieden. Siehe ka-news.de & swr.de.
Sicher wird das vielen (auch mir) nicht genügen. Aber ich interpretiere es als Eingeständnis dahingehend, dass die Hauptschule in ihrer jetzigen Form – bzw. das dreigliedrige System an sich – in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar ist . Auch ist noch nichts beschlossen, aber gefundenes Fressen für die Opposition ist das alle mal!
Wird mit Sicherheit spannend in den nächsten Wochen, was sich daraus alles entwickeln wird.

(Seltsam, dass weder bildungsklick.de noch teachernews.net darüber berichten…?!)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Bildung und getagged , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

8 Kommentare

  1. Erstellt am 24. März 2009 um 11:49 | Permanent-Link

    Aber was dann? Mit Abschaffung der Hauptschule schafft man schließlich nicht die Tatsache ab, dass es Schüler unterschiedlichster Leistungsstärke und unterschiedlichsten Leistungswillens gibt. Eine Abschaffung der Hauptschule ist meiner Ansicht nach daher primär eine kosmetische Kurskorrektur – und mit einer solchen lässt sich erfahrungsgemäß vor allem eines betreiben, nämlich populäre Politik…

    Das dreigliedrige Schulsystem ist sicherlich nicht perfekt und in vielen Punkten durchaus verbesserungswürdig. Dennoch ist es nunmal so, dass Menschen unterschiedlich leistungsfähig und unterschiedlich leistungsbereit sind und es deswegen meiner Ansicht nach eine wie auch immer geartete Klassifizierung geben muss. Das ist später, im Berufsleben, auch nicht anders: Nicht ein jeder ist als Zahnarzt geeignet, und ebenso wenig ist ein jeder als KFZ-Mechatroniker geeignet.

    Eine Verlagerung der Differenzierung à la Gesamtschule (beispielsweise) ist nur eine Verlagerung, eine Aufschiebung einer Klassifizierung. Möglich, dass im Rahmen einer Gesamtschule mehr Schülern ein höherer Schulabschluss ermöglicht wird – aber das geht, schon rein logisch betrachtet, zu Lasten des Niveaus des Schulabschlusses und somit zu Lasten der leistungsstärkeren und -willigen Schülern.

  2. Erstellt am 24. März 2009 um 14:39 | Permanent-Link

    Aber was dann?! Eine Schule für alle.

    Wie und dass das geht beweisen doch mittlerweile moderne Grundschulen, besonders auch in ihrem jahrgangsübergreifendem (1. – 4. Klasse) Unterricht.

    Das Lernen dort geht nicht zu Lasten der “leistungsstärkeren und -willigen Schülern”, ganz im Gegenteil. Da diese Schülerinnen und Schüler den jüngeren und oder weniger weit entwickelten Lernenden zu Seite stehen und ihnen die Unterrichtsinhalte in bestimmten Phasen des Unterrichts erklären, bei Fehlern und Problemen helfen, wiederholen und vertiefen und festigen diese ihr Wissen zu ihrem Gunsten und helfen nebenbei den anderen Schülern. . .

    Rein logisch betrachtet sind deine Schlüsse also nicht so logisch wie du meinst ;-)

    Klar ist nicht jeder studierwillig und -fähig, aber so habe ich in meinen Praktika bisher immer feststellen können, dass Schüler in Hauptschulklassen im traditionellen, lehrergeleiteten System sich gegenseitig “runterziehen” und keine Motivation, Interesse aufkommt, Leistung zu zeigen. Ich denke in heterogeneren Klassen mit leistungsstärkeren Schülern, wäre der Ansporn größer, sich mehr “reinzuhängen”.

    Aber ich meine auch, dass viel früher begonnen werden muss, Kinder zu integrieren, ihnen die Sprache des Landes beizubringen, etc. pp.

    Kostet leider Geld, dass die Politik nicht willens ist auszugeben.

  3. Erstellt am 24. März 2009 um 16:22 | Permanent-Link

    > Eine Schule für alle

    …kann sicherlich nicht als pauschales Allheilmittel gelten. Siehe beispielsweise hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtschule#Zwischenfazit

    Auch die unter nachfolgender URL tabellarisch dargestellte PISA-Testleistung im Vergleich zu Schulen des dreigliedrigen Systems untermauert, was ich weiter oben schon geschrieben habe:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gesamtschule#Diskussion

    In der Theorie klingen Deine Schlussfolgerungen sicherlich schön und erstrebenswert. Aber ob sie in der Praxis die gewünschte Wirkung zeigen, bleibt zumindest abzuwarten.

    Eine Trennung von Schülern nach Leistung ist meiner Ansicht nach durchaus sinnvoll und wichtig: Später, im Berufsleben, erfolgt dies ebenso – beim Ausbildungsweg bzw. spätestens auf dem Arbeitsmarkt. Wie immer man ein Schulsystem gestaltet, es läuft letztlich auf die Frage hinaus, WANN Selektion erfolgen soll. Und nicht, OB diese erfolgen soll.

    > Aber ich meine auch, dass viel früher begonnen werden
    > muss, Kinder zu integrieren, ihnen die Sprache des Landes
    > beizubringen

    In der Tat. Aber damit dies von Erfolg gekrönt ist, bedarf es nicht nur des Angebots – sondern auch die Annahme desselben. Nur, wenn ein Integrationsangebot auf (ausreichende) Integrationsbereitschaft trifft, kann Integration letztlich erfolgreich stattfinden.

    > in heterogeneren Klassen mit leistungsstärkeren Schülern,
    > wäre der Ansporn größer, sich mehr “reinzuhängen”.

    Das ist möglich (und wünschenswert), aber eben nicht zwingend auch tatsächlich der Fall. Ich meine, dass dem positiven Effekt auf leistungsschwächere Schüler ein (zumindest auch) negativer Effekt auf leistungsfähigere und leistungswilligere Schüler entgegensteht. Ich selbst bin zwar nicht im Bildungswesen beschäftigt, und sicherlich hast Du da aufgrund Deines Lehramtsstudiums und damit verbundener Praktika letztlich den tieferen Einblick als ich – allerdings ist meine Lebensgefährtin Hauptschullehrerin, wodurch ich doch so einiges mitbekomme. Auch habe ich hin und wieder Schüler als Praktikanten im Betrieb.

  4. Erstellt am 24. März 2009 um 18:58 | Permanent-Link

    Achso, was ich vergessen hatte:

    Das dreigliedrige Schulsystem bedeutet ja keineswegs, dass nach Absolvieren einer Schulart zwangsläufig “Schluss” ist: Meines Wissens sind viele (oder gar alle?) Hauptschulen auch Werkrealschulen, an denen Schüler mit entsprechenden Noten die Mittlere Reife erwerben können.

    Nach der Mittleren Reife gibt es diverse berufliche Gymnasien (WG, TG, EG,…), in denen Schüler mit entsprechenden Leistungen die Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife erlangen können.

    Diese “Durchlässigkeit” des dreigliedrigen Schulsystems bzw. die Tatsache, dass die drei Wege der Sekundarstufe I keine “Sackgassen” darstellen, empfinde ich als sehr gut und sehr fair.

  5. Erstellt am 24. März 2009 um 19:48 | Permanent-Link

    Diese “Durchlässigkeit” sieht in der Praxis nicht so durchlässig aus, wie sie sich auf dem Papier liest. Ein Großteil der Schüler hat nicht den erforderlichen Schnitt (2,4), um aufzusatteln. Einen Ausbildungsplatz zu ergattern wird manch einem nicht gelingen und dann schnappt schon die Falle zu. Schlechte Schüler können auch in weiterführenden Schulen sich nicht verbessern, werden von einer Maßnahme in die nächste geschleust und landen dann schließlich bei Hartz-4: Endstation.

    Sicherlich etwas schwarz gemalt und die Dreigliedrigkeit ist da nur ein Faktor unter vielen, aber so sieht das System nunmal aus (zumindest wird das so an der Hochschule vom ein oder anderen Dozenten auch gesehen.)

  6. Erstellt am 25. März 2009 um 15:58 | Permanent-Link

    Ja, ich gebe Dir da durchaus teilweise Recht, Micha! Letztlich zählen aber, wie in jedem nach Leistung bewertenden System, die Leistungsfähigkeit und der Leistungswille des Einzelnen:

    > Ein Großteil der Schüler hat nicht den erforderlichen
    > Schnitt (2,4), um aufzusatteln.

    Dann muss, wer mehr erreichen will, alles ihm Mögliche tun, um diesen Schnitt zu erreichen. Danach, im Berufsleben, geht’s genau so weiter – d.h. das ist nicht etwa ein “böses” System, sondern meiner Ansicht nach die (oftmals sicherlich harte) Realität, in der wir alle leben: Es kommt nur weiter, wer sich anstrengt und wer hart und kontinuierlich arbeitet (dass auch jemand, der sich anstrengt, scheitern kann, ist ein anderes Thema; jemand, der sich jedoch nicht oder in nicht ausreichendem Maße anstrengt, hat bereits verloren).

    Dass die “Durchlässigkeit” kein Ding der Unmöglichkeit ist, sehe ich beispielsweise an meiner Lebensgefährtin:

    Mit zwölf Jahren ohne jegliche Deutschkenntnisse nach Deutschland gekommen und in eine Hauptschule eingeschult worden. Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Abitur auf einem Wirtschaftsgymnasium, Lehramtsstudium, nun Hauptschullehrerin.

    > Sicherlich etwas schwarz gemalt

    Was zur Verdeutlichung Deines Standpunktes ja durchaus legitim ist. Prinzipiell stimme ich Dir zu, dass die Praxis bei weitem nicht so rosig aussieht wie die Theorie. Es ist jedoch zu schaffen, dafür gibt es viele Beispiele “von nebenan”.

  7. Erstellt am 25. März 2009 um 16:26 | Permanent-Link

    Hier ein interessanter SPIEGEL-Artikel dazu, auf den ich gerade gestoßen bin:

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,592913,00.html

  8. Erstellt am 25. März 2009 um 17:40 | Permanent-Link

    den Artikel kenne ich bereits :-)
    sicherlich nur ein Etikettenschwindel hier in Ba-Wü (bin momentan im Praktikum an einer Hauptschule, 8-10 Klasse). Hier in unserer Gemeinde könnten nur 100 Schüler diesen Werkrealschulzweig besuchen… der “Rest” muss sehen wo er bleibt.

Ihr Kommentar

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder verteilt.

Du kannst diese HTML Tags und Attribute verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

  • Randnotizen

    25, wohnt derzeit in Albstadt. Lehramtsanwärter.
    Er ist verplant, ein Spätzünder und kompensiert hier sein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Ansonsten ist er eher ein stiller Typ. Nebenbei höhrt er viel und oft Musik, am liebsten querbeet mit etwas elektronischer Würze.
    Sein aktuelles Hobby ist das Digitalisieren von Wappenzeichnungen.

    Noch Fragen? Fragen!