Dringend: Mehr LehrER für Grundschulen

Die Schule ist weiblich, ein Artikel in der Passauer Neue Presse. Hier einige zentrale Schlüsselzitate für Lesefaule:

Mittlerweile sind Buben die Bildungs-Sorgenkinder der Nation. Statistiken zeigen, dass sie in Bayern an Haupt- und Förderschulen dominieren und häufiger die Schule abbrechen als Mädchen. Im Schuljahr 2003/2004 verließen laut Kultusministerium mehr als doppelt so viele Buben wie Mädchen die Hauptschule ohne Abschluss.

[...]

Noch in den 60er Jahren waren über die Hälfte der Grundschullehrkräfte in Deutschland Männer – 2007 war ihr Anteil nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf gerade einmal zwölf Prozent geschrumpft.

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Laut Statistischem Landesamt wachsen inzwischen in jeder fünften Familie Kinder nur bei einem Elternteil auf, und das ist im Regelfall die Mutter. „Gerade bei Jungen, die vaterlos aufwachsen, kann man Orientierungsprobleme beobachten“ [...]

Mögliche Gründe für den sinkenden Männeranteil:

„Die Arbeit mit kleinen Kindern ist in den Köpfen nach wie vor Frauensache. Das gilt auch für die Schule.“ Hinzu komme die geringere Bezahlung als an Realschule und Gymnasium und sinkendes berufliches Prestige.

Aber:

Psychologie-Professorin Gisela Steins von der Universität Duisburg-Essen sieht in der Überzahl weiblicher Lehrkräfte nicht die Ursache für das schlechtere Abschneiden der Buben. Auch als noch mehr Männer an Grundschulen lehrten, hätten die Mädchen bessere Noten mit heim gebracht.

Also: Gendersensible Ausbildung der Lehrkräfte fördern?!

Bei der wachsenden Zahl von Jungen aus Einwanderer-Familien komme noch ein Aspekt hinzu: Wegen der traditionellen Vorstellungen in ihren Familien hätten sie Probleme, eine Frau als Autoritätsperson zu akzeptieren.
Also braucht Deutschland doch mehr Männer an den Grundschulen? Steins, die auch angehende Lehrkräfte unterrichtet, hat eine andere Antwort: „Die Lehrer müssen das Sozialverhalten der Kinder durch Rollenspiele und Gespräche in der Schule trainieren.“ In den USA sei das bereits Teil des Unterrichts. „Das muss endlich auch bei uns in die Lehrerausbildung.“

Ob das allein ausreicht wage ich zu bezweifeln. Training hin oder her, wenn eine weibliche Lehrkraft mit diesen Kindern etwas eintrainieren will, wird sie ja nicht akzeptiert (s.o.) und das Training verpufft.

via: boys ‘education

Lehrerberuf ist für Männer nicht attraktiv

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands (DPhV) ist der Auffassung, der Lehrerberuf sei für Männer nicht attraktiv genug und fordert daher attraktivitätssteigernde Maßnahmen. Die Schweizer sind da schon etwas weiter, siehe: Netzwerk Schulische Bubenarbeit mit dem Projekt unterstufenlehrer.ch, das von allen Pädagogischen Hochschulen der Schweiz und zahlreichen Lehrerverbänden unterstützt und gefördert wird. So etwas wünsche ich mir auch für die Bundesrepublik.

Triumph der Schmetterlinge

Jungen zu vernachlässigen fördert nicht automatisch die Anliegen der Frauen. Das muss sich aber erst noch herumsprechen.

Lesen!

Bayern: Erzieher und Grundschullehrer verzweifelt gesucht

So sprach es der Präsident des des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes Klaus Wenzel. Die Situation sei besonders dramatisch an den Grundschulen. Auch an Kindertagesstätten sind Männer selten anzutreffen. Gründe hierfür seien die schlechte Bezahlung und wenige Aufstiegschancen. Aber auch die fehlende Wertschätzung der Lehrer(innen)tätigkeit sei mitverantwortlich für diese Situation.

Mehr zu den Folgen und mögliche Lösungsansätze findet man in der vollständigen Pressemeldung des BLLV.

Wann dies dem baden-württembergischen Kultusministerium auffällt ist fraglich. Ebenso wann darauf reagiert wird. So z.B. lag im Sommersemester 2007 der Frauenanteil der Studierenden (Lehramt: Grundschule) bei 91,4% (Quelle: Gleichstellungskonzept der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe 2008 [PDF]).

Im Jahre 2006 wurden Schüler eines Gymnasiums im Rahmen des “Boys’ Day” über den Lehrerberuf vom AStA und der Gleichstellungsbeauftragten informiert. 2008 gab es eine Informationsveranstaltung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Man konnte die Teilnehmer, die allesamt nur anwesend waren, um nicht am Unterricht teilnehmen zu müssen, an zwei Händen abzählen.

Man(n) kann also leicht erkennen, dass gegen diesen “Trend zur Feminisierung des (Grundschul-
)Lehrerberufs” sehr wenig getan wird, hier im Ländle. Ich wünschte, es würden mehr Männer den Weg wählen, den ich auch eingeschlagen habe.

TV-Tipp: Das Jungsproblem [Update]

Heute (01. August) um 21:02 Uhr auf Eins Extra:

Das Jungsproblem

Auf der Suche nach männlichen Vorbildern

Sie können sich nicht konzentrieren, schaffen keinen Schulabschluss, machen Schlagzeilen mit krimineller Energie: Jungen sind zu einer beunruhigenden Spezies geworden. Und manchmal wird’s mit dem Alter nicht besser: 90 % der Obdachlosen und Intensivtäter sind Männer. Die Entwicklung von Mädchen und Jungen scheint mehr und mehr auseinander zu driften. Jedes Jahr werden mehr Jungen gewalttätig und immer weniger machen Abitur. Verunsichert, gefährlich, chancenlos – etwas läuft falsch in der männlichen Sozialisation. Bewegungsmöglichkeiten werden eingeschränkt, immer mehr praktische Berufe entfallen, Kindergarten, Schule und das Zuhause sind weitgehend weiblich geprägt – das alles macht das Erwachsen-Werden nicht einfacher für kleine Jungs.

Zugleich ist nicht erst seit dem neuen Elterngeld, das Männer zur Familienzeit ermuntert, ein neues Vaterbild angesagt. Zeichnet sich tatsächlich eine Lösung ab für die Probleme, die Jungen damit haben, ‘richtige’ Männer zu werden?

Eins Extra – Das Jungsproblem

[Update]:
Wiederholung am Samstag den 16.08.2008,
12:30 – 13:00 Uhr, EinsExtra

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Kleingedrucktes

27, wohnt derzeit in Rastatt. Staatlich anerkannter Lehrer.
Er ist verplant, ein Spätzünder und kompensiert hier sein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Ansonsten ist er eher ein stiller Typ. Nebenbei hört er viel und oft Musik, am liebsten querbeet mit etwas elektronischer Würze.

Noch Fragen? Fragen!

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